Vapen verursacht Krebs? Was die Studie wirklich sagt – und was sie verschweigt
E-Zigaretten sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden: als scheinbar harmlosere Alternative zur klassischen Zigarette. Besonders bei 18- bis 25-Jährigen greifen viele dazu. Fast jeder Siebte in dieser Altersgruppe dampft regelmäßig. In der Werbung und auf Social Media wird Vapen häufig als unbedenklich dargestellt.
Jetzt macht eine neue Studie der University of New South Wales Schlagzeilen: Vapen soll Krebs verursachen können. Das klingt alarmierend, aber was steckt wirklich dahinter?
Schaust du dir die Methodik und die Reaktionen aus der Wissenschaft näher an, wird das Bild deutlich komplexer. Die Ergebnisse sind längst nicht so eindeutig, wie viele Artikel suggerieren.
Das Forscherteam um Krebsforscher Professor Bernard Stewart wollte das Krebsrisiko durch E-Zigaretten unabhängig vom Tabakkonsum bewerten. Dafür haben sie über hundert Studien aus aller Welt ausgewertet, die seit 2017 veröffentlicht wurden. Beteiligt waren Epidemiologen, Apotheker und Public-Health-Forscher.
Der Fokus lag auf Studien, die ausschließlich Vapen ohne Tabakkonsum betrachteten, um die Wirkung von E-Zigaretten isoliert zu verstehen.
Was die Studie zeigt: Die Aerosole, die du beim Dampfen einatmest, enthalten flüchtige organische Verbindungen und Schwermetalle. Diese lösen sich beim Erhitzen aus den Heizspulen der Geräte. Darunter befinden sich unter anderem Blei, Antimon, Nickel, Chrom, Kupfer und Zink.
In klinischen Tests mit Menschen fanden die Forscher außerdem Biomarker für DNA-Schäden, oxidativen Stress und Gewebeentzündungen. Das sind mögliche Vorläufer von Krebserkrankungen. Auch Tierversuche und Labortests zeigten zelluläre Schäden durch Dampf. Die Studienautoren sehen darin einen klaren Hinweis auf eine Gefährdung.
Kritik des Forschungsansatzes
Der Ansatz hat erhebliche methodische Schwächen, die du kennen solltest.
Ein Problem ist die Latenzzeit von Krebs. Lungenkrebs entwickelt sich typischerweise über zwanzig bis vierzig Jahre. Moderne E-Zigaretten gibt es seit rund 2010. Das reicht schlicht nicht für Langzeitstudien, die Krebs beim Menschen eindeutig auf Vapen zurückführen können.
Hinzu kommt: In den meisten verfügbaren Studien haben viele der untersuchten Vaper früher oder parallel auch Tabak geraucht. Das macht es extrem schwierig, die Wirkung des Vapens isoliert zu betrachten.
Problematisch ist auch der sogenannte duale Konsum: Wer eigentlich von Zigaretten auf Vapes umsteigen wollte, am Ende aber beides nutzt, hat laut US-Daten sogar ein vierfach erhöhtes Lungenkrebsrisiko.
Und noch etwas: Die Studie liefert keine konkreten Zahlen dazu, wie hoch das tatsächliche Krebsrisiko durch Vapen im Alltag ist, sondern nur eine qualitative Einschätzung.
Andere Forscher reagieren mit Skepsis
Diese Schwächen haben heftige Kritik aus der Wissenschaft ausgelöst. Renommierte Experten nennen die Schlussfolgerungen irreführend und methodisch unsauber.
Professor Peter Hajek von der Queen Mary University of London kritisiert: Die Autoren werten selbst kleinste Spuren einer Chemikalie als Beweis für eine krebserregende Wirkung, ohne das toxikologische Grundprinzip zu berücksichtigen, dass die Dosis das Gift macht. Moderne Analysetechniken können nämlich schon verschwindend geringe Mengen nachweisen, die für die Gesundheit völlig irrelevant sind.
Außerdem: Für manche der ausgewerteten Studien mit besonders hohen Schadstoffwerten wurden E-Liquids oft bei unrealistisch hohen Temperaturen erhitzt, also Bedingungen, die mit echtem Nutzungsverhalten nichts zu tun haben.
Auch die zitierten Tierversuche hält Hajek für wenig aussagekräftig, denn sie wurden mit gestressten Tieren und extremen Dosen durchgeführt, was sich nicht auf freiwilligen menschlichen Konsum übertragen lässt.
Professor Lion Shahab vom University College London bemängelt zusätzlich: Die Untersuchung entspricht nicht den Standards eines echten systematischen Reviews. Es fehlen ein vorab registriertes Protokoll und klare Kriterien für die ausgewählten Studien. Das erhöht das Risiko einer selektiven Auswahl massiv.
Dr. Gavin Stewart von der Newcastle University ergänzt: Ohne transparente Beweiswertung sind die Schlussfolgerungen eher persönliche Meinungen als robuste Wissenschaft.
Einigkeit besteht unter den Kritikern in einem zentralen Punkt: Die Studie verschweigt, dass E-Zigaretten nur einem winzigen Bruchteil der Karzinogene aus Tabakrauch enthalten. Ein direkter Vergleich mit dem Rauchen. das nachweislich Krebs verursacht, ist daher nicht angebracht. Laut den manchen Kritikern können Raucher weiterhin davon ausgehen, dass Vapen deutlich weniger schädlich ist als eine Zigarette. Auch Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum bestätigt: Menge und Konzentration krebserregender Substanzen im E-Zigaretten-Aerosol seien „in der Regel deutlich geringer als im Rauch herkömmlicher Tabakzigaretten“.
Das alles heißt nicht, dass du die Ergebnisse der Studie ignorieren solltest. Es zeigt aber, dass es verschiedene Perspektiven gibt, die sich dabei betrachten lassen. Es gibt außerdem eine Reihe von Dingen, die du selbst tun kannst, gesundheitliche Risiken durch das Vapen zu reduzieren.
So kannst du die gesundheitlichen Risiken beim Vapen senken
Klar ist: Vapen ist kein harmloses Vergnügen. Gesundheitsbehörden betonen das ausdrücklich. Die gute Nachricht: Du kannst mit gezielten Maßnahmen dein Risiko und die Schadstoffbelastung aktiv senken.
Ein großer Faktor sind Schwermetalle wie Chrom, Nickel, Blei und Kupfer. Sie gelangen durch Hitze und Verschleiß der Heizspulen (Coils) in dein Liquid und damit in den Dampf. Wie lange du ein Gerät nutzt, spielt dabei eine wichtige Rolle:
- Nutze dein Gerät nicht bis zum letzten Zug aus. Mit jedem weiteren Puff steigt der Materialverschleiß und damit der Metallgehalt im Dampf. Auch kann der Schadstoffgehalt in Einweg-Vapes höher ausfallen als bei Mehrweg-Produkten.
- Kaufe frische Geräte und lagere sie nicht jahrelang ein. Auch ungenutzten Geräten können schlechte Lagerbedingungen die Bauteile beeinträchtigen.
- Merkst du beim Dampfen einen metallischen Geschmack? Das ist ein klares Warnsignal für Materialabbau. Entsorge das Gerät sofort.
- Finger weg von billigen Fälschungen. Auf dem Schwarzmarkt findet man immer wieder Produkte mit minderwertigen Materialien. Greif ausschließlich zu Originalprodukten bekannter, geprüfter Marken.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen übrigens: Bestimmte Hersteller weisen bei frischer Nutzung deutlich geringere Metallwerte auf als andere Marken.
Wer zusätzlich die körperliche Abhängigkeit reduzieren möchte, kann auf nikotinfreie Vapes umsteigen: Das Ritual des Dampfens bleibt, der Suchtstoff fällt weg. Aber aufgepasst: Auch nikotinfreie Liquids setzen beim Erhitzen Aldehyde und andere Stoffe frei, die die Atemwege reizen können.
Langfristig sollte Vapen gerade für ehemalige Raucher nur eine Brücke zur vollständigen Entwöhnung sein, keine Dauerwahl. Das größte Risiko minimierst du letztlich mit einem Leben frei von Rauch und Dampf.
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