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Elfbar-Studie im Faktencheck: was hinter 99,9 Prozent weniger Schadstoffen steckt
Eine neue Studie beschreibt, dass der Dampf von Elfbar ELFA bis zu 99,9 Prozent weniger Schadstoffe enthält als Zigarettenrauch. Wir haben die Studie analysiert und zeigen dir, wie du die Ergebnisse interpretieren kannst.
Inhalt
Der Dampf der Elfbar ELFA soll bis zu 99,9 Prozent weniger Schadstoffe enthalten als Zigarettenrauch. Grundlage ist eine Laboranalyse, die am 8. Juni 2026 im Fachjournal iScience erschienen ist. Wir haben die Arbeit gelesen, die Tabellen nachgerechnet und geprüft, wer sie finanziert hat.
Was im Labor passiert ist
Getestet wurde die Elfbar ELFA, ein Pod-System mit wiederaufladbarem Akku. Vier Sorten kamen in die Messung: Super Tobacco, Spearmint, Strawberry Ice und Watermelon. Ausgewählt wurden sie nach Absatzzahlen.
Die Messungen liefen bei Broughton Life Sciences in Earby, einem nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Auftragslabor. Untersucht wurden 17 Substanzen, die auf den Listen der WHO-Arbeitsgruppe TobReg und der US-Behörde FDA stehen. Die Vergleichswerte für die Zigarette stammen aus einer Veröffentlichung von Eldridge et al. aus dem Jahr 2015.
Mehr als die Hälfte der Substanzen ließ sich nicht nachweisen
Neun der 17 untersuchten Substanzen ließen sich in keiner Sorte nachweisen, darunter Kohlenmonoxid, Benzol, 1,3-Butadien und die tabakspezifischen Nitrosamine NNK und NNN. Messbar waren die beiden Carbonyle Formaldehyd und Acetaldehyd sowie sechs Metalle.
| Substanz | Messwert pro 100 Züge | Einordnung |
|---|---|---|
| Formaldehyd | 0,89 bis 1,35 µg | 99,6 bis 99,9 % unter Zigarette |
| Acetaldehyd | 3,24 bis 15,13 µg | 99,7 bis 99,9 % unter Zigarette |
| Blei | 0,01 bis 0,14 µg | Faktor 2,9 bis 46 unter USP-Grenzwert |
| Nickel | 0,01 bis 0,07 µg | Faktor 1,8 bis 17,9 unter USP-Grenzwert |
| Chrom | bis 0,10 µg | Faktor 21,7 bis 27,1 unter USP-Grenzwert |
| Eisen | bis 0,88 µg | rund 4.000-fach unter NIOSH-Grenzwert |
| CO, Benzol, NNK/NNN, Acrolein, Benzo[a]pyren, 1,3-Butadien, Cadmium, Arsen | unter der Nachweisgrenze | in allen vier Sorten nicht messbar |
Beim Acetaldehyd gab es größere Unterschiede zwischen den Sorten: Watermelon lag mit 15,13 Mikrogramm knapp fünfmal so hoch wie Spearmint mit 3,24 Mikrogramm. Beide Aromen lagen mit ihren Werten aber weit unter der Zigarette.
Für die Metalle rechneten die Autoren auf 1.200 Züge pro Tag hoch und verglichen das Ergebnis mit den jeweiligen US-Grenzwerten (USP und NIOSH). Aluminium, Eisen und Zinn lagen im Test bei nur einem Bruchteil der Grenzwerte. Auch bei Nickel wurden die Grenzwerte nicht erreicht, allerdings war hier der Abstand deutlich geringer.
Hinweise zur Transparenz: Hintergründe der Studie
Finanziert wurde die Arbeit von HG Innovation Limited aus Hongkong. Darauf wird in der Arbeit ausdrücklich hingewiesen. Die Firma stellt die getesteten Produkte her, betreibt elfbar.com und gehört zur Struktur um Heaven Gifts beziehungsweise Shenzhen iMiracle Technology, den Konzern hinter Elfbar und Lost Mary. In Deutschland ist HG Innovation im Lobbyregister des Bundestags eingetragen. Drei der fünf Autoren sind dort angestellt.
Erstautor Ian M. Fearon führt die Beratungsfirma whatIF? Consulting. Vor seiner Selbstständigkeit leitete er die klinische Forschung im Entwicklungszentrum von British American Tobacco in Southampton, danach arbeitete er beim Auftragsforscher Celerion und bei Juul Labs. Er legt im Paper offen, dass er BAT-Aktien hält, im Aufsichtsrat des Shisha-Herstellers Advanced Inhalation Rituals sitzt und den wissenschaftlichen Beirat des Pharmaunternehmens Qnovia berät. Zweitautorin Sairah Salim-Sartoni ist Gesundheitspsychologin und laut Branchenberichten seit Oktober 2024 Mitglied jenes Beirats, den HG Innovation für den britischen Markt zusammengestellt hat. Beide gehören dem VapeVerify-Gremium des britischen Branchenverbands UKVIA an.
Das Journal selbst ist seriös: iScience gehört zu Cell Press (Elsevier), arbeitet mit Peer Review und Open Access. Eingereicht wurde die Arbeit im Februar 2026, angenommen im Mai. Eine Vorabversion lag bereits seit Juli 2025 als Preprint vor.
Wo die Studie an ihre Grenzen stößt
- Die Studie umfasst lediglich 17 Stoffe, lässt aber einige aus: Aromastoffe, Kühlmittel wie WS-23, Abbauprodukte von Glycerin jenseits der beiden Carbonyle und ultrafeine Partikel tauchen in der Messung nicht auf. Die Autoren benennen das selbst als Einschränkung.
- Im Test wurde gleichmäßig alle 30 Sekunden gezogen. Wer dagegen hektisch zieht, Kette dampft oder einen fast leeren Pod weiter benutzt, erzeugt andere Temperaturen und andere Werte.
- Die Vergleichswerte für Zigaretten stammen aus zweiter Hand. Die Referenzwerte kommen aus einer elf Jahre alten Publikation eines anderen Labors, gemessen wurde also nur die Vape.
- Die verwendeten USP-Grenzwerte gelten für inhalative Arzneimittel bei 50 Kilogramm Körpergewicht, die NIOSH-Werte für Arbeitsplätze mit 40-Stunden-Woche.
- Rohdaten gibt es nur auf Anfrage beim Erstautor, ein offenes Repositorium fehlt.
- Gültig ist das Ergebnis für vier ELFA-Sorten. Über Einweg-Vapes, Big Puffs, Fälschungen oder Ware vom Schwarzmarkt sagt die Messung nichts.
Die Richtung deckt sich mit unabhängiger Forschung
Beim Verbrennen von Tabak entstehen bei über 600 Grad Kohlenmonoxid, Teer, Nitrosamine und polyzyklische Aromaten. Beim Verdampfen fällt dieser Schritt weg. Das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Review des Deutschen Krebsforschungszentrums kommt zum selben Schluss: E-Zigaretten belasten weniger als Tabakzigaretten und bleiben trotzdem keine harmlosen Konsumprodukte. Wichtig ist auch die Warnung vor Dual Use: Wer parallel zum Dampfen weiterraucht, verschenkt den Vorteil.
Was du daraus mitnehmen kannst
- Steigst du vom Rauchen komplett um, sinkt deine Schadstoffbelastung deutlich. Das gilt zumindest für die gemessenen Substanzen.
- Halbe Sachen bringen wenig. Wer morgens dampft und abends raucht, atmet weiter Verbrennungsprodukte ein. Dual Use solltest du also auf jeden Fall vermeiden.
- Rauchst du nicht, liefert dir diese Studie keinen Grund, mit dem Dampfen anzufangen. Nikotin macht abhängig, unabhängig vom Trägersystem. Auch der Dampf von Vapes enthält Schadstoffe.
- Frage dich immer, was in Studien wie dieser womit verglichen wurde, wer bezahlt hat und was gar nicht erst gemessen wurde.
- Kaufe registrierte Ware bei Händlern, die du prüfen kannst. Für nicht gemeldete Liquids und Big Puffs vom Graumarkt existieren solche Messungen nicht. Hier läufst du Gefahr, erheblich höheren Mengen an Schadstoffen ausgesetzt zu sein.
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