Neue Cochrane Studie: Wie gut helfen E-Zigaretten beim Rauchstopp?
Wenn es um die Frage geht, ob E-Zigaretten dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, führt kaum ein Weg am Cochrane Review zu E-Zigaretten und Rauchstopp vorbei. Im August 2026 ist die elfte Fassung erschienen. Die Studie ist für alle interessant, die mit dem Gedanken spielen, vom Rauchen auf E-Zigaretten bzw. Vapes umzusteigen.
Ein wichtiges Ergebnis der Studie vorweg: E-Zigaretten helfen mehr als Nikotinpflaster und Nikotinkaugummi. Und der Vorsprung ist inzwischen so gut belegt, dass die Forscher ihn mit der höchsten Sicherheitsstufe versehen, die ihr System vorsieht.
Inhalt
Wer ist eigentlich Cochrane?
Cochrane ist ein weltweites Netzwerk aus Wissenschaftlern, Ärzten, Pflegekräften und Patientenvertretern, gegründet 1993, mit Sitz in London. Die Mitarbeiter sammeln Studien, die es zu einer Frage gibt, prüfen jede einzelne davon auf Schwächen und rechnen die Ergebnisse zusammen.
Der Vorteil: Mehrere Studien zusammengenommen liefern ein deutlich stabileres Bild als eine einzelne Studie.
Der Ruf der Organisation stützt sich auf drei Dinge:
- Erstens auf feste Methodenvorgaben, an die sich jedes Autorenteam halten muss.
- Zweitens auf einen externen Redaktions- und Begutachtungsprozess, der bei diesem Review vom Cochrane Central Editorial Service betreut wurde, samt eigener Prüfung der Methodik und der Literatursuche.
- Drittens auf strenge Regeln zu Interessenkonflikten: Cochrane nimmt kein Geld von der Pharma-, Medizinprodukte- oder Tabakindustrie an.
Allerdings gibt es dennoch einige Einschränkungen, die man kennen sollte:
- Sechs der Review-Autoren haben selbst an Studien mitgearbeitet, die in die Auswertung eingeflossen sind. Cochrane löst das über eine Trennung der Aufgaben: Diese Personen durften bei ihren eigenen Studien weder über die Aufnahme noch über die Bias-Bewertung mitentscheiden.
- Der Review schließt acht Studien mit Geld oder Unterstützung aus der Tabak- und Vaping-Industrie ein, darunter Arbeiten mit Mitteln von Philip Morris, Altria, Reynolds American und JUUL Labs. Die Cochrane-Regeln verlangen das aus Transparenzgründen. Das Team hat diese Studien in Sensitivitätsanalysen herausgerechnet: Die Ergebnisse blieben gleich.
- Cochrane selbst steht finanziell unter Druck. Das britische NIHR hat 2023 die Förderung der in England ansässigen Review-Gruppen eingestellt, was der Organisation nach Berichten des Deutschen Ärzteblatts rund 4,2 Millionen Pfund im Jahr entzogen hat. Auch die Governance-Krise von 2018 mit dem Ausschluss von Peter Gøtzsche aus dem Vorstand und mehreren Rücktritten wirkt nach.
Dieser Review wurde von Cancer Research UK finanziert, ein Teil der neuen Auswertungen vom US-amerikanischen National Cancer Institute gemeinsam mit dem FDA Center for Tobacco Products. Die Geldgeber waren an der Entscheidung zur Veröffentlichung nicht beteiligt.
Wie die Forscher vorgegangen sind
Das Team hat vier große medizinische Datenbanken durchsucht, dazu zwei Register für laufende Studien. Stichtag war der 1. Januar 2026. Übrig blieben nach Abzug der Doppeltreffer 1.902 Fundstellen, von denen 102 komplett gelesen wurden. Neun neue Studien haben es in die Auswertung geschafft.
Aufgenommen werden nur Studien eines bestimmten Typs: solche, bei denen per Los entschieden wurde, wer die E-Zigarette bekommt und wer die Vergleichsbehandlung. Nur so ließ sich ausschließen, dass in einer Gruppe zufällig die motivierteren Teilnehmer sitzen.
Als Erfolg wurden nur die Teilnehmer gewertet, die nach mindestens sechs Monaten noch rauchfrei waren. Nachgemessen wurde das über den Kohlenmonoxidwert in der Atemluft. Eine reine Selbstauskunft genügte nicht. Wer während der Studie verschwand und sich nicht mehr meldete, wurde als Raucher gezählt. Diese Regel ist streng und drückt die Erfolgsquoten eher nach unten.
Am Ende bewertete das Team jedes Ergebnis auf einer vierstufigen Skala: hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig. Die Stufe gibt Auskunft darüber, wie sicher man sich sein kann, dass das Ergebnis stimmt. Punktabzug gab es, wenn eine Studie methodisch unsicher ist, Studien einander widersprechen oder zu klein sind.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Cochrane Studie
In der aktuellen Fassung stecken 80 Studien mit knapp 30.000 Teilnehmenden. Drei Vergleiche bilden den Kern:
| E-Zigarette mit Nikotin verglichen mit | Von 100 Menschen bleiben rauchfrei | Wie viele Studien? | Wie sicher? |
|---|---|---|---|
| Nikotinpflaster oder -kaugummi | 10 mit E-Zigarette, 6 mit Pflaster | 11 Studien, 4.114 Personen | hoch |
| Nikotinfreie E-Zigarette | 8 mit Nikotin, 6 ohne Nikotin | 7 Studien, 1.918 Personen | moderat |
| Nur Beratung oder gar keine Hilfe | 9 mit E-Zigarette, 5 ohne | 11 Studien, 7.214 Personen | niedrig |
Man kann die Ergebnisse wie folgt verstehen: Im Vergleich mit Nikotinpflaster oder Kaugummi erreicht die E-Zigarette mit Nikotin vier zusätzliche Erfolge pro hundert Versuche. Neun von zehn Menschen schaffen den Ausstieg im ersten Anlauf allerdings nicht.
Interessant ist der Vergleich mit der nikotinfreien E-Zigarette: Mit Nikotin sind es acht, ohne Nikotin nur sechs Erfolge auf 100 Personen. Wer den Umstieg plant, hat demnach bessere Chancen, wenn er zunächst auf eine E-Zigarette mit Nikotin umsteigt. Allerdings ist zu ergänzen, dass der Unterschied recht gering ist. Es ist daher durchaus möglich, dass ein Umstieg auch bei einem direkten Wechsel zu einer nikotinfreien E-Zigarette gelingen kann.
Beim Vergleich zwischen einer E-Zigarette mit Nikotin und reiner Beratung bzw. keiner Unterstützung wird die Konfidenz trotz der Zahlen als niedrig gewertet. Der Grund liegt am Versuchsaufbau: Wer eine E-Zigarette in die Hand gedrückt bekommt, weiß das natürlich. Ein Placebo lässt sich hier nicht verabreichen. Außerdem erhielten die Teilnehmer in diesen Studien unterschiedlich viel Betreuung. Beides kann das Ergebnis verfälschen.
Was sagt die Cochrane Studie über Nebenwirkungen?
Zu Nebenwirkungen sagt die Studie recht wenig aus. Das liegt an der Datenlage. In keinem einzigen Vergleich taucht ein Hinweis auf ernsthafte Schäden auf. Viele Studien meldeten in beiden Gruppen überhaupt keine schweren Vorfälle.
Zwei Bewegungen gegenüber der letzten Fassung der Studie sind erwähnenswert. Bei den schweren Nebenwirkungen im Vergleich mit Nikotinpflastern ist die Datenbasis inzwischen groß genug, dass die Forscher „kein Unterschied“ mit mittlerer Sicherheit sagen können. Vorher reichten die Daten dafür nicht aus. Bei den leichten Nebenwirkungen im selben Vergleich ging es dagegen einen Schritt zurück: Die Studien widersprechen einander stärker als früher. Deshalb wurde die Bewertung herabgestuft.
Wer von einer bloßen Beratung auf die E-Zigarette wechselt, meldet mehr kleinere Beschwerden. Etwa 52 von 100 statt 43 von 100. Zu diesen Beschwerden gehören Halskratzen, Husten oder ein trockener Mund. Diese Zahl steht allerdings auf sehr wackeligen Beinen.
Wie hat die E-Zigarette im Vergleich zu alternativen Methoden zur Rauchentwöhnung abgeschnitten?
Neben den drei genannten Vergleichen von E-Zigaretten mit anderen Methoden zur Rauchentwöhnung tauchen im Review noch weitere auf. Diese beruhen meist auf einer einzigen Studie und taugen deshalb nur als erster Hinweis:
- Cytisin, ein pflanzliches Medikament zur Rauchentwöhnung: leichter Vorteil für die E-Zigarette, eine Studie mit 508 Teilnehmenden.
- Vareniclin, ein verschreibungspflichtiges Medikament: Hier lag die Tablette vorn, allerdings in einer sehr kleinen und methodisch schwachen Studie mit 54 Personen.
- Tabakerhitzer: kein erkennbarer Unterschied bei Nebenwirkungen. Zum Rauchstopp gibt es aus diesen Studien gar keine Daten.
- Nikotinbeutel: eine Studie mit 26 Teilnehmenden. Damit lässt sich schlicht nichts sagen.
Grenzen der Cochrane Studie
Die Cochrane Forscher benennen die Schwächen ihrer eigenen Arbeit erstaunlich offen. Fünf davon solltest du kennen:
- Viele Studien sind wackelig. Von den 80 ausgewerteten Arbeiten haben 41 ein hohes Risiko, das Ergebnis zu verfälschen. Nur 12 gelten als methodisch sauber.
- Die Zahlen sind ungenau. Fast alle Hauptergebnisse mussten abgewertet werden, weil zu wenige Menschen oder zu wenige Ereignisse dahinterstehen.
- Es fehlen womöglich Studien. Es gibt Hinweise darauf, dass kleinere Studien ohne positives Ergebnis nie veröffentlicht wurden. Beweisen lässt sich das nicht, das Team behält es im Auge.
- Der Blick reicht höchstens zwei Jahre. Was zehn oder zwanzig Jahre Dampfen mit der Lunge machen, wurde nicht betrachtet. Solche Studien gibt es einfach noch nicht.
- Die Technik ist schneller als die Forschung. Eine zuverlässige Studie muss über mehrere Jahre laufen. Bis die Ergebnisse verfügbar sind, stehen längst andere Geräte im Laden, und neue Aromen sind im Angebot.
Und: Keine der 80 Studien stammt aus Deutschland. 40 kommen aus den USA, 16 aus Großbritannien, der Rest verteilt sich auf elf weitere Länder. Weil die Regeln überall anders sind, lassen sich die Zahlen nicht eins zu eins übertragen. In der EU liegt die Nikotin-Obergrenze bei 20 mg pro Milliliter, in den USA war zeitweise deutlich mehr erlaubt.
Wie frisch sind die Daten?
Die Cochrane Studie wird nicht alle paar Jahre neu geschrieben, sondern läuft dauerhaft weiter. Die Forscher durchsuchen die Datenbanken jeden Monat und arbeiten neue Studien ein, sobald sie erscheinen. Im Fachjargon heißt das Living Systematic Review.
Die aktuelle Fassung berücksichtigt alles, was bis zum 1. Januar 2026 veröffentlicht wurde. 61 weitere Studien laufen gerade und stehen auf der Beobachtungsliste. Das Verfahren soll mindestens bis 2027 weitergehen.
Welche Erkenntnisse bleiben?
Die Studie beantwortet eine konkrete Frage: Wie gut hilft eine E-Zigarette mit Nikotin einem erwachsenen Raucher beim vollständigen Ausstieg?
Die Antwort fällt zugunsten der E-Zigarette aus, am klarsten gegenüber Pflaster und Kaugummi. Es geht um den kompletten Umstieg, nicht um das parallele Rauchen und Dampfen. Es geht um Nikotin als Wirkstoff.
Gute Chancen auf Erfolg bietet ein Gerät, das Nikotin in einer Stärke abgibt, die zu deinem bisherigen Zigarettenkonsum passt. In der EU sind bis zu 20 mg pro Milliliter erlaubt, zum Beispiel bei den Elfbar Pods oder den passenden ELFLIQ Liquids. Falls du bei der Stärke unsicher bist, hilft dir unser Ratgeber zur Nikotinstärke beim Umstieg weiter.
FAQ: häufige Fragen zur Cochrane Studie
Was ist an dieser Fassung neu?
Neun zusätzliche Studien und zwei neue Vergleiche wurden der aktuellen Studie hinzugefügt. An der bisherigen Gesamtaussage ändert das nichts: Verschoben hat sich nur die Bewertung der Nebenwirkungen, und zwar in beide Richtungen: Bei den schweren Fällen gibt es jetzt mehr Sicherheit, bei den leichten weniger.
Heißt „hohe Sicherheit“ der Ergebnisse, dass die Zusammenhänge jetzt zweifelsfrei belegt sind?
Es heißt, dass neue Studien das Ergebnis sehr wahrscheinlich nicht mehr umdrehen werden. Diese Einstufung gilt nur für einen einzigen Vergleich, nämlich zwischen E-Zigarette gegen Nikotinpflaster, und nur für die Frage nach dem Rauchstopp.
Wie viele Leute hören mithilfe einer E-Zigarette tatsächlich auf?
Etwa acht bis zehn von 100. Die überwiegende Mehrheit schaffte es beim ersten Versuch in keiner der betrachteten Gruppen.
Reicht auch eine nikotinfreie Variante aus, um mit dem Rauchen aufzuhören?
Nach der Datenlage der Cochrane Studie nicht. E-Zigaretten mit Nikotin erreichen eine bessere Erfolgsquote. Als späterer Zwischenschritt kann nikotinfrei sinnvoll sein, als Einstieg eher nicht.
Sagt Cochrane also, dass E-Zigaretten harmlos sind?
Nein. Dort steht, dass in den ausgewerteten Studien kein Hinweis auf ernsthafte kurzfristige Schäden auftauchte. Die längste Nachbeobachtung dauerte zwei Jahre. Was danach passiert, weiß derzeit niemand, weil es noch keine Langzeitstudien gibt.
Waren Studien der Tabakindustrie beteiligt?
Ja, insgesamt acht. Cochrane nimmt sie bewusst auf und weist sie einzeln aus. Zusätzlich wurde durchgerechnet, was ohne diese Studien herauskommt: hier gibt es keine Änderungen. Die Organisation selbst nimmt nach eigenen Aussagen kein Geld aus der Tabakbranche.
Gelten die Ergebnisse auch für Einweg-Vapes?
Nur drei der 80 Studien haben Einweggeräte getestet. Der Schwerpunkt liegt auf nachfüllbaren Geräten, Cartridge-Modellen und Pod-Systemen.
Lassen sich die Zahlen auf Deutschland übertragen?
Das ist schwer zu sagen, denn keine der ausgewerteten Studien stammt aus Deutschland. Die erlaubten Nikotinmengen unterscheiden sich zwischen den Ländern deutlich.
Was bedeutet „Living Systematic Review“?
Ein Living Systematic Review ist eine Übersichtsarbeit, die nach strengen Regeln dauerhaft weitergeführt wird. Die Datenbanken werden monatlich durchsucht, neue Studien kommen laufend dazu. Die Cochrane Studie läuft auf diese Weise seit 2020.
Wo finde ich das Original der Cochrane Studie?
In der Cochrane Library unter der Kennung CD010216. Der Text ist frei zugänglich. Das Dokument enthält am Anfang eine übersichtliche Zusammenfassung.
Quelle
Lindson N, Livingstone-Banks J, Butler AR u. a.: Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Ausgabe 8, Art. Nr. CD010216. doi.org/10.1002/14651858.CD010216.pub11
Dieser Beitrag fasst eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. E-Zigaretten sind ausschließlich für erwachsene Raucher gedacht.
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